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YoungPilots fragen nach: Heute, Dennis Pilz, Geschäftsführer und Trainer von Cockpit4U

Cockpit4u gehört zu den größten Type Rating Schulen in Deutschland und Europa. Aus der ganzen Welt kommen Piloten und angehende Kollegen zu Cockpit4u um ihr Type Rating für Boeing oder Airbus zu erlangen. 430 Piloten kamen 2014 nach Schönefeld, um an einemder MCC, JOC, SFI/TRI oder Type Rating Kurse teilzunehmen. Dennis Pilz hat daher einen sehr guten Überblick darüber, wie sich der Standort Deutschland gegenüber der übrigen Welt entwickelt.

 

Herr Pilz, die Welt ist bei ihnen zuhause. Würde es Cockpit4u auch geben, wenn nur deutsche Piloten ihre Kundschaft wären?

Sicher würde es Cockpit4u auch noch geben, wenn wir nur deutsche Piloten bei uns im Training hätten. Insbesondere unsere MCC Angebote sind für deutsche Flugschüler sehr interessant. Bei Cockpit4u finden die MCC’s, im Gegensatz zu anderen Anbietern, nicht auf generic Jet-Trainern oder einer King Air statt, sondern auf Simulatoren der Muster A320 und B737. Neben der Möglichkeit, in die Welt der „großen“ Airlines einzutauchen, bietet dieses Training gleichzeitig eine Screening Vorbereitung, da viele Fluggesellschaften auf diesen Mustern die Bewerber bewerten.  Qualitatives Training wird hierzulande nach wie vor geschätzt und auch nachgefragt.

 

Der Weltluftverkehr entwickelt sich rasant. Asien und der Mittlere Osten erleben regelrechte Boomzeiten. Hat sich Deutschland und/oder Europa davon abgekoppelt?

Man kann diese Märkte nicht direkt miteinander vergleichen. Die Regionen in Asien haben eine andere wirtschaftliche Ausgangsbasis als Deutschland bzw. Europa. In vielen Schwellenländern in Asien entwickelt sich die Wirtschaft von Jahr zu Jahr stetig und es wächst dort eine Mittelschicht heran, die das Reisen mit dem Flugzeug für sich entdeckt. Hier in Europa verlangsamt sich das Wachstum – nicht zuletzt getrieben durch die Krise im Euroraum. Die Märkte hier sind einfach gesättigt, man kann von einem Verdrängungswettbewerb sprechen. Der Mittlere Osten profitiert natürlich von seinen Rohstoffen, die den dort ansässigen Fluggesellschaften niedrige Kosten für Treibstoff bescheren. Dies ist ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil für die Fluggesellschaften aus der Golfregion zum Nachteil der europäischen Anbieter. Nicht zu vergessen die nach wie vor umstrittene Luftverkehrsabgabe, die bei den hiesigen Gesellschaften für zusätzliche Kosten sorgt.

 

Der Arbeitsplatz Cockpit wandelt sich derzeit entscheidend. Erst vor kurzem hatte Carsten Spohr, CEO der Lufthansa, seine Piloten auf tiefgreifende Veränderungen eingeschworen.  Wie wird sich dieser Job in den kommenden Jahren verändern?

Künftig wird man immer mehr Flexibilität von den Piloten erwarten, nicht nur hinsichtlich des Arbeitsortes – Stichwort Ausland – sondern auch bezüglich der Arbeitszeiten. Die Low-Cost Airlines machen es vor: hohe Auslastung der Flugzeuge, kurze Turnaround-Zeiten am Boden und hohe Auslastung des Cockpit-Personals. 80 Stunden Blockzeit pro Monat sind dort keine Seltenheit. Der Job hat sich bereits verändert. Die ehemaligen staatlichen Fluggesellschaften müssen sich diesen Herausforderungen in einem knallharten Wettbewerb stellen.

 

Wie wird sich Cockpit4u das Angebot und das Training anpassen?

Bei den Trainingsangeboten bleibt uns wenig Spielraum, da die lizenzrelevanten Trainingsprogramme inhaltlich durch die EASA vorgegeben sind. Natürlich werden wir unser Angebot sofort um neue Flugzeugmuster erweitern, wenn eine entsprechende Nachfrage besteht. In unseren Programmen berücksichtigen wir die Erfahrung unserer Kunden. Da die Mehrzahl unserer Trainees direkt von der Flugschule zu uns kommt, legen wir Wert auf ein sehr praxisorientiertes Training. So haben wir bereits alle Papier-Mockups aus unseren Trainings entfernt und gegen moderne  „Flight Training Devices“ ersetzt. Auch im kommenden Jahr planen wir wieder einige technische Innovationen, um den heutigen und künftigen Trainingsaufgaben gerecht zu werden. So werden wir z.B. ab Januar 2015 das MCC Boeing B737-300 auf einem Level D Simulator zu einem sehr attraktiven Preis anbieten. Screening-Vorbereitung inklusive.

 

Wie sehen sie die Entwicklung für 2015/2016 im deutschen Verkehrspilotenmarkt?

Die Entwicklung in Deutschland hängt sicher davon ab, ob und wie es Air Berlin gelingen wird, wieder profitabel zu werden. Das Ergebnis können wir nicht voraussagen, jedoch ist eines sicher, es wird direkten Einfluss auf die Entwicklung des deutschen Pilotenmarktes haben. Ein weiterer Faktor wird sein, ob es Herrn Spohr gelingt, seine Strategieziele bei der Lufthansa umzusetzen. Hier kann man sich nur wünschen, dass Arbeitnehmervertreter und Arbeitgeber einen angemessenen wirtschaftlichen Kompromiss mit dem richtigen Augenmaß finden. Man darf und kann sich nicht den veränderten Rahmenbedingungen verschließen. Die Konkurrenz aus dem Low-Cost Sektor reagiert schnell und flexibel! Im letztgenannten Segment wird es definitiv Wachstum in Deutschland geben, erst kürzlich konnte man der Presse entnehmen, dass Low-Cost Anbieter neue Stationen und Strecken in Deutschland im Jahr 2015 eröffnen werden. Ob und wie es sich auf den Pilotenmarkt hierzulande auswirken wird, bleibt abzuwarten.


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